Die Hauptuntersuchung und gängige Irrtümer

Solides Halbwissen verbreitet sich durch Mundpropaganda oder im Internet rasend schnell. Diese Aussagen zur HU könnten sie teuer zu stehen kommen:

Den Termin zur Hauptuntersuchung darf man um zwei Monate (in Coronazeiten sogar um vier Monate) überziehen ohne dass etwas passiert.

Gemäß §29 StVZO und Anlage VIII zur StVZO wird die auf dem Kennzeichen angebrachte Plakette mit Ablauf des dort angegebenen Monats ungültig. Spätestens dann muss das Fahrzeug zur Hauptuntersuchung vorgeführt werden. Ein Überziehen dieser Frist ist nicht erlaubt und wird meist ab dem zweiten Überziehungsmonat mit einer Geldbuße von 15 €, ab dem achten Monat mit 60 € und einem Punkt in Flensburg geahndet. Ist der Termin um mehr als zwei Monate überzogen, fallen bei der Hauptuntersuchung noch zusätzliche Gebühren an, da in diesem Falle eine sogenannte „erweiterte HU“ mit einem Preisaufschlag von 20 % gefordert wird.

Geringe Mängel braucht man nicht zu reparieren

In Anlage VIII zur StVZO wird man zu diesem Punkt fündig. Unter Ziffer 3.1.4.2 liest man, dass der Fahrzeughalter auch geringe Mängel unverzüglich jedoch spätestens innerhalb eines Monats beseitigen muss. Falls der Fahrzeughalter in eine Polizeikontrolle gerät droht ihm ein Bußgeld von 10€.

Hat ein Fahrzeug erhebliche Mängel, darf man damit noch einen Monat damit fahren.

Auch hier findet man in der Anlage VIII zur StVZO unter dem Punkt 3.1.4.3 die Antwort. Erhebliche Mängel müssen unverzüglich behoben werden, nur die Nachuntersuchung darf innerhalb eines Monats durchgeführt werden. Bußgeld hierfür: Ebenfalls zehn Euro. Unangenehm könnte eventuell noch folgender Aspekt werden: mit Erhalt des Untersuchungsberichts wurden sie auf die erheblichen Mängel an ihrem Fahrzeug und dass dies in einem nicht vorschriftsmäßigen Zustand ist, hingewiesen. Unternehmen Sie mit diesem Fahrzeug trotzdem Fahrten die nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Mängelbeseitigung stehen, könnte dies möglicherweise als Verstoß gegen §23 StVO gewertet werden. Das Bußgeld startet in diesem Fall bei 35 €.

Auf einem Privatgrund abgestellte Anhänger brauchen keine HU

Ein gefährlicher und meist unangenehm teurer Spaß, da die Fristüberschreitung in solchen Fällen regelmäßig mehr als acht Monate beträgt. §29 StVZO besagt, dass Halter von Zulassung- und kennzeichnungspflichtigen Fahrzeugen diese in regelmäßigen Abständen zur Hauptuntersuchung vorzuführen haben. Nicht erwähnt und somit ohne Belang ist dabei der Standort des Fahrzeugs. Mit anderen Worten: Hat ihr Fahrzeug ein eigenes amtliches Kennzeichen mit HU und Zulassungsplakette ist es vollkommen egal wo es steht, es ist stets HU-pflichtig und muss somit rechtzeitig vorgeführt werden.