Schadenaufnahme in Eigenregie – Selbst als Hilfskraft mit der Kamera unterwegs

In einen Verkehrsunfall verwickelt zu sein – in Deutschland krachte es im Jahr 2019 fast 2,7 Millionen mal – ist nie eine schöne Sache. Auch nicht dann, wenn sie unverletzt geblieben und vermeintlich unverschuldet mit von der Partie sind. Denn der gegnerischen Versicherung geht es vor allem darum, den Schaden gering zu halten, manchmal sogar die Erstattung trickreich zu kürzen. Immer wieder im Blickpunkt stehen dabei auch sogenannte „Schaden-Apps“ bei der der Geschädigte die Dokumentation des Schadens mit seinem eigenen Smartphone übernimmt und selbst Bilder anfertigt. Die gewonnenen Daten werden dann über die App der Versicherung übermittelt, die wiederum die Kalkulation der Schadenhöhe übernimmt. Geworben wird dabei damit, dass der Alltag der Kunden erleichtert werde und eine umfangreiche Schadensbegutachtung nach einem Unfall ermöglicht sei ohne dass ein entsprechender Sachverständiger zugegen sein müsse.

Vor diesem schnellen Geschäftsmodell kann ich als Sachverständiger Sie nur eindringlich warnen. Gerade die hochkomplexe Karosserietechnik (Materialmix Stahl/Aluminium und damit verbundene Korrosionsrisiken), die immer umfangreichere Fahrzeugelektronik (Radar- und Crashsensoren, Fahrassistenzsysteme) sowie modernste Werkstoffe im Automobilbau (z. B. höher- und höchstfeste Stähle) lassen es immer schwieriger werden den vollständigen Umfang eines Unfallschadens zu erkennen und zu erfassen. Und selbst dem Anschein nach unbedeutende äußere Karosserieschäden stellen sich im Nachhinein als tiefergehende Strukturschäden heraus.

Daher ist es heutzutage mehr denn je erforderlich, dass ein Unfallfahrzeug durch einen qualifizierten Kfz Sachverständigen höchst persönlich in Augenschein genommen wird. Hierauf wird auch durch die anderen, am Unfallschaden beteiligten Institutionen (Werkstätten und Rechtsanwälte) regelmäßig hingewiesen.

Ein Unfallschaden kann eben nicht durch eine Hilfskraft, die eine Videokamera hält, vollständig erfasst werden. Es sei denn, Sie möchten als Unfallgeschädigter auf Ihre berechtigten Schadensersatzansprüche und eine beweissichere sowie rechtssichere Dokumentation des Schadens verzichten.

Und von der Erleichterung im Alltag des Geschädigten kann spätestens dann nicht mehr die Rede sein, wenn die regulierungspflichtige Versicherungen die vollständige Bezahlung der Reparaturrechnung nach erstellten „Telegutachten“ ablehnen und damit zusätzlichen Ärger provozieren. Ich kann Ihnen nur empfehlen, keinesfalls darauf zu verzichten und die Arbeit von qualifizierten Sachverständigen in Anspruch zu nehmen.