Alte(rnative) Antriebe – Elektromobilität

Ob man es glaubt oder nicht, die Geschichte des Automobils ist untrennbar verbunden mit der Elektromobilität. Bereits 1881 gab es das erste Fahrzeug mit Elektromotor (Trouvé Tricylce) und im Jahr 1900 wurde das erste Elektroauto mit einer Reichweite von 50 km (Semper Vivus) auf der Weltausstellung in Paris vorgestellt. Ludwig Lohner entwickelte in Zusammenarbeit mit Ferdinand Porsche den Semper Vivus, weil „die Luft von den in großer Anzahl auftretenden Benzinmotoren erbarmungslos verdorben sein würde“.

Das Gespann Lohner-Porsche zeichnete im Übrigen noch für einige interessante Entwicklungen auf dem Gebiet der Elektromobilität verantwortlich. So wurde 1900 das erste Allrad Elektroauto entwickelt und 1902 sogar das erste hybride Elektrofahrzeug  („Mixte“), bei dem Verbrennungsmotoren von Daimler die elektrische Energie zum Antrieb von Zweiradnormmotoren mit je 3,2 PS lieferten .

Obwohl in der Folgezeit die Wiener Feuerwehr ca. 40 Einsatzfahrzeuge der Marke Lohner in Betrieb hatte und auch in Berlin Lohner-Porsche Fahrzeuge als Taxen unterwegs waren, setzte sich dieser Trend aufgrund der hohen Kosten für die Produktion nicht durch.

Erst in jüngerer Zeit findet die Elektromobilität aufgrund der Klimadebatte unter dem Stichwort alternative Antriebskonzepte neue Beachtung. Die Endlichkeit der Ölreserven und vor allem die Herausforderungen des Umweltschutzes drängen uns dazu, neue Mobilitätsmöglichkeiten für die Zukunft zu entwickeln.

Dass ein Elektrofahrzeug im Vergleich zu einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor klimarelevante Vorteile besitzt und dass die Elektromobilität eine Option darstellt für ein langfristiges ersetzen der fossilen Kraftstoffe ist mittlerweile bekannt. Elektrofahrzeuge haben gegenüber Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren nicht nur den Vorteil dass sie keinerlei Abgase produzieren. Gemäß einer Publikation des Bundesumweltministeriums haben sie mittlerweile sogar in der Klimabilanz über den gesamten Lebenszyklus von Produktion bis zur Entsorgung im Vergleich zu den herkömmlichen Verbrennern die Nase vorn. Auch Fahrleistung und Fahrkomfort von Elektrofahrzeugen können durchaus begeistern, wie wohl jeder bestätigen kann der selber einmal ein Elektroauto gefahren ist. Dennoch ist die Akzeptanz in der Bevölkerung derzeit noch gering und von dem durch die Bundesregierung ursprünglich geplanten 1 Million Elektroautos bis zum Jahr 2020 dürften momentan nur etwa 60.000 unterwegs sein.

Ich gebe zu, auch mir würden bei der Entscheidungsfindung folgende Punkte schwer im Magen liegen:

Preis und Wertverlust

Elektroautos sind derzeit noch erheblich teurer als vergleichbare Verbrenner. Auch die derzeit angebotenen Kaufanreize (Prämien) kompensieren kaum die anfallenden Mehrkosten. Zur Lebensdauer des Antriebsakkus geben die Hersteller nur sehr vage Auskünfte. Da der Traktionsakku aber einen erheblichen Anteil an den Kosten für das Fahrzeug ausmacht und sich somit keine detaillierten Aussagen zur Restlebenserwartung des Akkus machen lassen, wird der Markt dieses Risiko mit hohen Wertverlusten Bedenken.

Lange Ladezeiten und schlechte Infrastruktur

Im Vergleich zu einem herkömmlichen Tankstopp mit dem verbrennen dauert das Aufladen eines Elektroautos deutlich länger. Selbst dem Schnelllademodus können bis zur 80-prozentigen Aufladung des Akkus 15 Minuten vergehen. Zusätzlich ist das Netz an öffentlichen Ladepunkten momentan noch nicht adäquat ausgebaut von dem geschätzten Bedarf an Schneeladepunkten bis zum Jahr 2020 von 7100 Stück existieren derzeit etwa 200. Die Situation im angrenzenden Ausland ist dabei noch nicht einmal berücksichtigt

Nicht zuletzt ist der Fahrzeugkauf immer eine Sache der Emotionen. Die Vielfalt an unterschiedlichen Modellen auf unseren Straßen spricht eine deutliche Sprache, dass Kaufentscheidungen nicht rational getroffen werden. Es bleibt also abzuwarten, in welcher Weise es die Hersteller schaffen die mit den herkömmlichen Verbrennern verbundenen Emotionen auf ihre neuen Elektromodelle zu übertragen.

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