Haftpflichtschaden – Versinken Sie nicht im Tal der Tränen

Unfallaufnahme an einem Frontschaden

Wie jeden Werktag ist Frau Feierabend auch heute wieder unterwegs von der Arbeit nach Hause. Es ist Freitag, es regnet und wie an solchen Tagen üblich herrscht auf den Straßen reger Verkehr. Schon seit einiger Zeit fährt hinter ihr der flotte Sportflitzer des Herrn Schnittig, der es wohl sehr eilig hat und ihr deswegen ständig fast im Kofferraum hängt. An der Kreuzung beim Schwimmbad passiert es dann: Frau Feierabend muss plötzlich bremsen und Schnittig kracht ihr ins Fahrzeugheck. Nach der Erledigung der notwendigen Formalitäten endlich  zuhause angekommen, gehen Frau Müller die gleichen Gedanken durch den Kopf wie sie wohl jeder Unfallbeteiligte schon gehabt hat: „Was mache ich jetzt?“

Bevor Sie nun der gegnerischen Versicherung das Feld überlassen ein paar Anregungen zum Nachdenken:

Die Versicherung sagt, die Einreichung eines Kostenvoranschlags reiche zur Regulierung aus und/oder ein Sachverständiger wird nicht bezahlt:

Grundsätzlich hat der Geschädigte immer das Recht auf die Erstellung eines Schadensgutachtens sofern es sich nicht um einen sogenannten „Bagatellschaden“ handelt. Der Geschädigte, der sich nur auf den Kostenvoranschlag einer Werkstatt verlässt, erlebt manchmal böse Überraschungen. So hat der Kostenvoranschlag später keine beweissichernde Funktion. Zumeist fehlt auch eine Aussage zur Wertminderung, eventuell auch zu Wiederbeschaffungswert und Restwert des Fahrzeugs. Erst der Sachverständige kann erkennen, ob es sich tatsächlich um einen sogenannten einfachen Schaden handelte. Häufig sind bei einem vermeintlich leichten Blechschaden tragende Teile beschädigt bzw. bei einem auf den ersten Blick sehr erheblichen Schaden können die Reparaturkosten minimal sein. In jedem Fall also fährt der Geschädigte bei Einschaltung eines qualifizierten unabhängigen Sachverständigen auf Nummer sicher.

Der Sachbearbeiter der gegnerischen Versicherung war so freundlich und hat angeboten einen Gutachter zu schicken. Muss ich den nehmen?

Der Geschädigte ist gut beraten, wenn er immer auf Einschaltung eines unabhängigen Sachverständigen besteht. Der Sachverständige der Versicherungsgesellschaft arbeitet schließlich bei der Versicherung, die den Schaden letztlich zu bezahlen hat. Der Geschädigte sollte daher einen Sachverständigen seines Vertrauens beauftragen, der sicherstellt, dass auch Wertminderung, Nutzungsausfall, Wiederbeschaffungswert und Restwert neben dem reinen Blechschaden richtig ermittelt werden.

Soll ich mich selbst um die Regulierung meines Schadens kümmern?

Selbstverständlich steht es dem Geschädigten frei, selbst für die Regulierung seines Schadens zu sorgen. Ob man auf die einem zustehende Hilfe eines versierten und fachlich kompetenten Teams aus Sachverständigem und Rechtsanwalt und damit unkomplizierte Schadensregulierung verzichten will, muss man selbst entscheiden.

Schließen möchte ich mit einem Zitat aus einem Urteil des OLG Frankfurt aus dem Jahr 2014 (OLG Frankfurt, Urteil vom 01. Dezember 2014, Aktenzeichen: 22 U 171/13):

„Auch bei einfachen Verkehrsunfallsachen ist die Einschaltung eines Rechtsanwalts von vornherein als erforderlich anzusehen. Gerade die immer unüberschaubarere Entwicklung der Schadenspositionen und der Rechtsprechung zu den Mietwagenkosten, Stundenverrechnungssätzen u.ä. lässt es geradezu als fahrlässig erscheinen, einen Schaden ohne Einschaltung eines Rechtsanwalts abzuwickeln.“

Einen guten (unfallfreien) Rutsch ins neue Jahr wünscht Ihnen Ihr Jürgen Abend.

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